Apple vor dem iPhone-18-Pro-Verkaufsstart: Schwache Vorbestellungen drücken den Kurs vom Rekordhoch
Die Aktie war bis Mitte September auf ein Rekordhoch um 344 Dollar gelaufen. Nach schwächeren Vorbestellsignalen für das Pro-Modell notiert sie wieder bei rund 333 Dollar.

Vor dem Verkaufsstart der neuen Pro-Modelle
Einen Tag vor dem Verkaufsstart der neuen Pro-Generation steht Apple unter einem Vorzeichen, das in den Wochen davor niemand auf der Rechnung hatte: Die Aktie war bis Mitte September auf ein Rekordniveau um 344 Dollar gelaufen, notiert nun aber wieder bei rund 333 Dollar. Auslöser war kein Analystenurteil und keine Konjunkturzahl, sondern die erste belastbare Auswertung der Vorbestellungen – und die fiel schwächer aus als der Markt es nach dem Rekordlauf eingepreist hatte.
Der Weg dorthin erklärt viel über die Stimmung. Nach der Produktvorstellung Anfang September zog der Kurs in einem Zug an: Zulieferberichte über hochgefahrene Fertigungslinien, ein starker Servicebereich und die Erwartung, dass ein großer Teil der installierten Basis nach zwei bis vier Jahren ohnehin zum Gerätewechsel gezwungen ist, trugen die Aktie über die alte Bestmarke. In dieser Phase legte das Papier innerhalb von zwei Wochen prozentual zweistellig zu und gehörte damit zu den stärksten Werten im Dow. Genau diese Vorschusslorbeeren sind jetzt das Problem, denn sie ließen kaum Raum für eine Enttäuschung.
Die kam am Dienstag. Auswertungen von Lieferzeiten in den Onlineshops mehrerer Regionen – das übliche Behelfsmaß, weil Apple selbst keine Vorbestellzahlen veröffentlicht – zeigten für das teuerste Pro-Modell kürzere Wartezeiten als im Vorjahr. Kürzere Lieferzeiten lassen zwei Deutungen zu: Entweder hat der Konzern die Fertigung so früh und so breit aufgestellt, dass die Nachfrage problemlos bedient wird, oder die Nachfrage nach dem Spitzenmodell lässt tatsächlich nach. Der Markt hat sich für die zweite Lesart entschieden und knapp elf Dollar vom Kurs abgezogen. Das ist kein Kurseinbruch, aber es ist die erste ernsthafte Gegenbewegung seit Wochen.
Für die Zurückhaltung gibt es nachvollziehbare Gründe, und sie liegen im Produkt selbst. Der Sprung zur neuen Generation ist beim Basis- und beim Pro-Modell in erster Linie ein Sprung bei Prozessor, Modem und Kamera-Signalverarbeitung – also bei Dingen, die man in der Auslage nicht sieht. Gleichzeitig ist die Preisstruktur am oberen Ende weiter nach oben gerutscht: Wer das größte Pro-Modell mit reichlich Speicher will, zahlt einen vierstelligen Betrag. In einem Umfeld, in dem Mobilfunkanbieter ihre Zuschüsse nicht mehr so großzügig verteilen wie in den Boomjahren, verlängert das die Haltedauer der Geräte. Hinzu kommt ein Detail aus der Lieferkette, über das mehrere Berichte übereinstimmend schreiben: Beim neuen Kameramodul der Pro-Variante gab es zunächst Engpässe, weshalb der Konzern die Verteilung der Konfigurationen zwischen den Absatzregionen anpassen musste. Beides zusammen – wenig sichtbare Neuerungen und ein hoher Einstiegspreis am oberen Ende – erklärt, warum die frühen Signale gemischt sind.
Wichtig für die Einordnung ist, was hinter dem einzelnen Modell steht. Apple ist längst kein reiner Gerätehersteller mehr. Das iPhone bleibt mit rund der Hälfte des Konzernumsatzes der größte Block und bestimmt den Takt der Berichtssaison, doch der profitabelste Teil ist inzwischen das Dienstleistungsgeschäft: App-Store-Provisionen, Abo-Erlöse für Musik, Video, Speicher und Spiele, Zahlungen aus Suchkooperationen sowie Werbe- und Garantieerlöse. Diese Sparte wächst stetiger als der Gerätemarkt und trägt deutlich höhere Margen. Dazu kommen Mac, iPad und der Bereich Wearables mit Uhr und Kopfhörern. Entscheidend ist der Zusammenhang: Jedes verkaufte iPhone verlängert die installierte Basis, und jede aktive Basis speist wiederkehrende Erlöse. Deshalb reagiert der Markt auf Nachfragesignale beim Spitzenmodell empfindlicher, als es der Anteil eines einzelnen Geräts am Umsatz nahelegt.
Der Blick auf das Umfeld erklärt den Rest der Bewegung. Nach der letzten Zinsentscheidung der Notenbank ist das Bewertungsniveau am Markt wieder ein Thema. Höhere Zinsen verteuern die Gegenwart künftiger Gewinne, und Apple ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis deutlich über dem eigenen historischen Mittel bewertet. Wer bei diesem Niveau kauft, unterstellt Wachstum bei Geräten und Diensten gleichzeitig. Fällt eine dieser Säulen auch nur vorübergehend als Argument weg, folgt der Kurs schnell – nicht weil das Geschäft kippt, sondern weil der Aufschlag zur Diskussion steht. Genau dieses Muster war in dieser Woche zu sehen: Gewinnmitnahmen beim ersten Zweifel, nicht Flucht.
Bemerkenswert ist zugleich, was der Rücksetzer nicht ist. Der Kurs liegt weiter klar über dem Niveau vom Sommer, der Abstand zum Rekordhoch beträgt nur wenige Prozent, und die Handelsumsätze deuten nicht auf breite Umschichtungen hin. Auch die Zulieferseite hat ihre Bestellungen nach den bisher bekannten Angaben nicht gekappt. Von einem gebrochenen Trend zu sprechen wäre bei dieser Datenlage voreilig; realistischer ist die Beschreibung als Pause, in der der Markt auf harte Zahlen wartet, statt Lieferzeiten zu interpretieren.
Diese harten Zahlen kommen in mehreren Etappen. Zunächst zählt das Startwochenende: Ab Freitag stehen die Geräte in den Läden, und in der Woche danach liefern Marktforscher erste Schätzungen zu Absatz und Modellmix. Zweitens entscheidet der Mix über den Ertrag – verkauft sich das teure Pro-Modell schwächer und das Basisgerät besser, steigen die Stückzahlen, ohne dass der Umsatz im gleichen Maß mitzieht. Drittens bleibt China der wichtigste Einzelmarkt für die Wachstumsfrage, weil dort einheimische Anbieter im oberen Preissegment aggressiv auftreten. Viertens kommt im Oktober ein weiteres Modell mit faltbarem Bildschirm ins Spiel, das bereits für die nächste Erzählung sorgt, bevor die aktuelle abgeschlossen ist. Und fünftens bestimmt das Dienstleistungsgeschäft, wie weit ein schwächeres Gerätejahr überhaupt durchschlägt: Solange die Abo- und Provisionsumsätze zweistellig wachsen, federt die Marge einen Teil ab.
Unter dem Strich beschreibt der Kursverlauf der vergangenen Tage genau diese Zwischenlage: ein Rekordhoch, das die guten Erwartungen bereits enthielt, ein erstes gemischtes Signal aus den Vorbestellungen, und ein Markt, der bei hoher Bewertung sofort Gewinne mitnimmt. Ab Freitag zählen keine Lieferzeiten mehr, sondern Verkäufe – und mit ihnen die Frage, ob die Zurückhaltung beim Spitzenmodell ein Signal war oder nur eine Momentaufnahme.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Märkte & Trends versteht sich als tägliche Börsenbegleitung mit Fakten, Zusammenhängen und Einordnung.
Themen dieses Beitrags
Hauptthema: US-Aktien