← ZURÜCK ZUM BLOG

IBM zahlt für eine Prognose: Was die gesenkte Jahresprognose jetzt kostet

IBM senkte das erwartete Jahreswachstum auf 4 bis 5 Prozent – das Mainframe-Geschäft brach um 42 Prozent ein.

IBM – IBM zahlt für eine Prognose: Was die gesenkte Jahresprognose jetzt kostet

IBM senkte das erwartete Jahreswachstum auf 4 bis 5 Prozent – das Mainframe-Geschäft brach um 42 Prozent ein.

IBM Mainframe-Schränke in einem Rechenzentrum

IBM war am Freitag der schwächste Wert im Dow Jones, und der Anlass liegt nicht in einer neuen Meldung dieses Tages, sondern in einer Prognosesenkung aus dem Juli, deren Folgen der Markt noch abarbeitet. Bei der Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal 2026 senkte IBM das erwartete Umsatzwachstum für das Gesamtjahr auf 4 bis 5 Prozent bei konstanten Währungen, nachdem zuvor mehr als 5 Prozent in Aussicht gestellt worden waren. Seither prüft die Börse jedes Quartal, ob die genannten Gründe vorübergehend sind oder ob sich die Wachstumsbasis des Konzerns dauerhaft verschoben hat.

Die Zahlen dieses Quartals waren deutlich. Der Umsatz lag bei 17,2 Milliarden US-Dollar und damit rund 660 Millionen US-Dollar unter der Konsensschätzung von 17,9 Milliarden US-Dollar; gegenüber dem Vorjahr blieb nur ein Plus von 1 Prozent. Das Softwaregeschäft kam auf 7,8 Milliarden US-Dollar und damit 5 Prozent mehr als im Vorjahr, verfehlte aber die Erwartungen. Der operative Gewinn je Aktie lag bei 2,93 US-Dollar. Besonders schwach entwickelte sich das Infrastrukturgeschäft mit einem Rückgang von 7 Prozent, während das Grossrechnersegment IBM Z um 42 Prozent einbrach. Damit steht die Frage im Raum, wie belastbar der Erneuerungszyklus bei Mainframes noch ist, der IBM in den Jahren zuvor verlässlich getragen hatte.

Die Reaktion am 14. Juli 2026 war die heftigste in der Unternehmensgeschichte: Die Aktie verlor an diesem Tag 25 Prozent, der schlechteste Handelstag seit mindestens 1968, und rund 69 Milliarden US-Dollar Börsenwert gingen verloren. Seither hat sich der Kurs nicht erholt. Bis zum 17. September 2026 summierte sich der Verlust seit Jahresbeginn auf mehr als 35 Prozent.

Inhaltlich dreht sich die Diskussion um eine Aussage von Konzernchef Arvind Krishna. Nach seiner Darstellung verschoben Kunden ihre IT-Budgets von Software und Dienstleistungen zu Servern, Speicher und Hardware, teils in Erwartung steigender Preise für Speicherchips. Für die Beurteilung des Unternehmens ist entscheidend, wie diese Verschiebung zu lesen ist. Wurden Softwareverträge lediglich verschoben, kehren sie in späteren Quartalen in den Auftragseingang zurück. Wurden sie an Wettbewerber verloren, fehlen sie dauerhaft, und zwar in dem Segment mit der höchsten Marge.

IBM Quantenrechner im Forschungslabor

Die Analystenseite hat darauf bereits reagiert. Wall Street Zen senkte das Urteil am 12. September 2026 von Halten auf Verkaufen. Morgan Stanley hatte am 23. Juli das Kursziel von 293 auf 190 US-Dollar reduziert und die Einstufung bei Equal Weight belassen, Oppenheimer war am 15. Juli von Outperform auf Market Perform zurückgegangen. Diese Anpassungen bilden den Rahmen, in dem der Markt derzeit rechnet.

Positive Nachrichten kamen in dieser Zeit ebenfalls, ohne den Trend zu drehen. Am 16. September 2026 schloss die Quantentochter Anderon eine Förderung von 1 Milliarde US-Dollar aus dem CHIPS-Programm für eine Fertigung von Quanten-Wafern ab. Ausserdem meldete IBM ein grosses KI-Projekt für eine türkische Kreditauskunftei, die täglich rund 23 Millionen Transaktionen verarbeitet. Beide Meldungen zeigen, dass IBM in Forschung und in Grossprojekten weiter liefert. Beide waren jedoch zu klein, um die Lücke zu schliessen, die im Software- und Infrastrukturgeschäft entstanden ist, und Anleger nutzten die vorangehende Erholung für Gewinnmitnahmen.

Verstärkt wurde die Schwäche durch das Zinsumfeld. Am 16. September 2026 erhöhte die Federal Reserve den Leitzins erstmals seit 2023 um 25 Basispunkte auf eine Zielspanne von 3,75 bis 4,00 Prozent, das Votum fiel mit zwölf zu null aus, und die Notenbank signalisierte einen weiteren Schritt im Jahresverlauf. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte in der Folge auf rund 5,0 Prozent, den höchsten Stand seit Juli 2007. Höhere Renditen belasten Aktien, deren Bewertung auf weit in der Zukunft liegenden Gewinnen beruht, besonders stark. Bereits am 17. September war IBM mit einem Minus von 4,32 Prozent auf 227 US-Dollar der schwächste Wert im Dow.

Am Freitag, dem 18. September 2026, schloss IBM bei 229,55 US-Dollar, ein Rückgang um 8,20 US-Dollar oder 3,45 Prozent gegenüber der Eröffnung bei 237,85 US-Dollar; das Tagestief lag bei 229,38 US-Dollar, der Umsatz bei 13,23 Millionen Aktien. Der Dow gab an diesem Tag insgesamt zwischen 0,18 und 0,41 Prozent nach und lag damit in der Grössenordnung von 51.564 bis 51.683 Punkten. Zusätzlich fiel der Tag mit dem grossen Verfallstermin an den Terminmärkten zusammen, an dem Optionen mit einem Volumen im Bereich von rund 7 Billionen US-Dollar ausliefen. Eine neue Unternehmensmeldung oder eine Einreichung bei der Börsenaufsicht gab es an diesem Tag nicht.

Für Anleger reduziert sich die Lage damit auf eine einzige Prüffrage: Kehren die verschobenen Softwareverträge in den Auftragseingang zurück, und stabilisiert sich das Infrastrukturgeschäft? Die nächsten Quartalszahlen liefern dazu drei belastbare Anhaltspunkte: das Wachstum im Softwaresegment, die Entwicklung von IBM Z nach dem Einbruch um 42 Prozent und die Frage, ob die auf 4 bis 5 Prozent gesenkte Jahresprognose gehalten oder erneut angepasst wird.

Diese Einordnung ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

Themen dieses Beitrags

Hauptthema: US-Aktien