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Qualcomm verliert das iPhone-Modem: Apple baut selbst, Samsung greift an

Der Modemanteil im aktuellen iPhone fällt unter 20 Prozent, zugleich gewinnt Samsungs Exynos Boden.

Qualcomm – Qualcomm verliert das iPhone-Modem: Apple baut selbst, Samsung greift an

Qualcomms Modemanteil im aktuellen iPhone liegt unter 20 Prozent.

Qualcomm 5G-Modem auf einer Smartphone-Platine

Qualcomm verliert genau dort Boden, wo das Unternehmen über ein Jahrzehnt lang unangefochten war: im Modem des iPhone. Zum dritten Geschäftsquartal 2026 räumte der Konzern ein, dass der eigene Anteil am Modemgeschäft für die aktuelle iPhone-Generation deutlich unter der zuvor genannten Marke von 20 Prozent liegen wird. Damit ist aus einer Ankündigung Apples eine messbare Größe in Qualcomms Auftragsbuch geworden. Apple arbeitet seit Jahren an eigener Funktechnik, und der Übergang vollzieht sich nun schneller, als es die frühere Kommunikation des Chipanbieters erwarten ließ.

Für die Beurteilung des Geschäftsmodells ist dieser Punkt zentraler als jede Quartalszahl. Das Modem ist kein beliebiges Bauteil, sondern das Element, über das ein Smartphone überhaupt mit dem Mobilfunknetz spricht. Wer es liefert, verkauft nicht nur Silizium, sondern verankert auch Patente, Referenzdesigns und Folgeaufträge beim Kunden. Fällt dieser Anteil bei einem einzelnen Großabnehmer, verschwinden mit der Stückzahl auch die Skaleneffekte in Entwicklung und Fertigung. Qualcomm hatte diesen Verlust zwar früh eingeplant und den Abschied vom Apple-Geschäft mehrfach als absehbar bezeichnet. Neu ist, dass die Untergrenze der eigenen Erwartung nicht gehalten wird.

Zugleich wächst der Druck im übrigen Handygeschäft. Samsungs Prozessorlinie Exynos kam im zweiten Quartal 2026 auf einen Anteil von 9 Prozent am globalen Markt für Smartphone-Applikationsprozessoren und damit auf den höchsten Wert seit 2024. Ein Teil der Basismodelle der Galaxy-S26-Reihe wechselte auf den Exynos 2600, während Qualcomms Auslieferungen im Jahresvergleich zurückgingen. Das trifft den Konzern an der zweiten empfindlichen Stelle: Neben Apple ist Samsung der wichtigste Abnehmer im Premiumsegment, und jede Verschiebung zu einem hauseigenen Chip verkleinert den erreichbaren Markt für Snapdragon-Plattformen. Anders als beim Apple-Modem geht es hier nicht um einen geordneten Ausstieg, sondern um einen Wettbewerb um jedes einzelne Gerätemodell.

Die jüngsten Geschäftszahlen zeigen, dass die Substanz vorerst trägt. Im dritten Fiskalquartal 2026 wies Qualcomm einen Umsatz von 9,95 Milliarden US-Dollar und ein Ergebnis je Aktie von 2,21 US-Dollar aus. Für den laufenden Zeitraum nennt das Unternehmen eine Spanne von 2,05 bis 2,25 US-Dollar je Aktie. Das sind Werte, die kein Krisenbild ergeben, sondern ein Geschäft beschreiben, das derzeit noch vom bestehenden Kundenmix lebt. Genau deshalb ist die Frage nach dem Ersatzgeschäft so entscheidend: Die heutigen Erträge stammen überwiegend aus einem Markt, dessen zwei größte Abnehmer ihre Abhängigkeit planmäßig verringern.

Die Antwort des Managements liegt außerhalb des Smartphones. Qualcomm hat eine langfristige Zusammenarbeit mit Amazon im Bereich von Chips für KI-Rechenzentren beschrieben. Über mehrere Chip-Generationen hinweg ist von einem Volumen von bis zu 60 Milliarden US-Dollar die Rede. Damit rückt der Konzern in ein Feld vor, in dem bislang andere Anbieter den Ton setzen, und in dem die Abnehmer wenige, aber sehr große Betreiber sind. Für Qualcomm wäre ein solcher Auftrag der Beleg, dass sich die eigene Kompetenz bei energieeffizienten Recheneinheiten vom Mobiltelefon in das Rechenzentrum übertragen lässt. Belastbar wird diese Rechnung allerdings erst, wenn Lieferungen, Zeitpläne und Margen in den Quartalsberichten sichtbar werden. Bis dahin steht eine Absichtserklärung gegen einen bereits wegbrechenden Ertragsstrom.

Qualcomm Snapdragon-Prozessoren auf einem Prüfplatz im Chiplabor
Qualcomms Snapdragon-Plattformen stehen im Android-Markt unter verstärktem Wettbewerb.

Im Lizenzgeschäft bleibt die Lage stabiler als im Chipverkauf, weil Gebühren an verkauften Geräten und nicht an gelieferten Bausteinen hängen. Auch ein iPhone mit eigenem Apple-Modem nutzt Mobilfunkstandards, an denen Qualcomm Patente hält. Diese Erträge federn den Rückgang ab, wachsen aber nicht in dem Tempo, das die Bewertung eines Halbleiterkonzerns im laufenden KI-Zyklus voraussetzt. Getragen wird das Wachstum künftig entweder vom Automobilgeschäft, in dem Qualcomm Infotainment- und Assistenzplattformen liefert, oder vom neuen Rechenzentrumsgeschäft. Beide Felder sind deutlich kleiner als das Handygeschäft und brauchen mehrere Jahre, bis sie die Lücke aus dem iPhone-Geschäft schließen können.

Diese Gleichzeitigkeit erklärt die widersprüchliche Wahrnehmung des Wertes. Auf der einen Seite ein Zukunftsgeschäft mit einem der größten Rechenzentrumsbetreiber der Welt, auf der anderen Seite ein schrumpfender Anteil bei den beiden wichtigsten Handykunden. Analysten reagierten in dieser Woche entsprechend zweigeteilt: Das Research-Haus Zacks senkte seine Einschätzung, während das durchschnittliche Zwölf-Monats-Kursziel bei 204,10 US-Dollar liegt und damit nur wenig über dem Schlusskurs vom Freitag von 177,72 US-Dollar. Der Abstand zwischen Kurs und Zielmarke ist schmal geworden, was weniger über die Qualität des Unternehmens aussagt als über die Erwartungen, die der Markt bereits verarbeitet hat.

Für Anleger reduziert sich die Beurteilung damit auf drei nachprüfbare Punkte. Erstens: Wie schnell sinkt der Modemanteil bei Apple tatsächlich, und ab welcher iPhone-Generation entfällt er vollständig? Das lässt sich an den Segmentangaben zum Handygeschäft ablesen. Zweitens: Kann Qualcomm im Android-Umfeld genügend Designgewinne einsammeln, um die Verschiebung zu Exynos auszugleichen? Entscheidend sind hier die Stückzahlen bei chinesischen Herstellern und im gehobenen Mittelfeld, nicht einzelne Prestigemodelle. Drittens: Wann taucht das Rechenzentrumsgeschäft erstmals mit eigenen Umsätzen in der Berichterstattung auf? Solange es dort nur Ankündigungen gibt, bleibt die Wachstumsseite des Unternehmens eine Erwartung.

Unstrittig ist die Ausgangslage: Qualcomm verfügt über eine breite Patentbasis im Mobilfunk, über etablierte Plattformen in Automobil und Industrie und über ein Lizenzgeschäft, das unabhängig von einzelnen Gerätemodellen Erträge liefert. Diese Stärken sind der Grund, warum der Konzern einen Kunden wie Apple überhaupt verlieren kann, ohne in eine Schieflage zu geraten. Die offene Frage ist nicht das Überleben des Geschäfts, sondern das Tempo des Umbaus. Der eingeräumte Modemanteil unter 20 Prozent markiert dabei den Zeitpunkt, an dem der Übergang von der Ankündigung in die Bilanz gewandert ist.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung, Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar.

Themen dieses Beitrags

Hauptthema: US-Aktien