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Lam Research hebt die Messlatte: 150 Milliarden Dollar fließen in neue Chipanlagen

Lam Research rechnet für 2026 mit rund 150 Milliarden Dollar Anlagenbudget – Reinräume bleiben knapp.

Lam Research – Lam Research hebt die Messlatte: 150 Milliarden Dollar fließen in neue Chipanlagen

Neue Reinräume als Engpass der Chipindustrie

Der wichtigste Satz über die Chipindustrie dieses Jahres stammt vom Finanzchef eines Anlagenbauers: Die Branche versorgt ihre eigene Nachfrage nicht ausreichend, und der begrenzende Faktor ist nicht Kapital, sondern Reinraumfläche. Doug Bettinger, Finanzvorstand von Lam Research, hat diese Einschätzung auf einer Technologiekonferenz im September vorgetragen und zugleich die entscheidende Zahl angehoben: Für das Kalenderjahr 2026 erwartet das Unternehmen Investitionen in Anlagen zur Waferfertigung im Bereich von gut 150 Milliarden US-Dollar. Zuvor hatte Lam Research eine Spanne von 135 bis 140 Milliarden Dollar genannt. Für einen Hersteller, dessen Geschäft aus genau diesen Budgets bezahlt wird, ist das die treibende Nachricht.

Lam Research baut Anlagen für zwei Schritte der Chipherstellung, die in modernen Bauelementen immer wichtiger werden: das Abscheiden hauchdünner Materialschichten und das präzise Ätzen von Strukturen in diese Schichten. Je komplexer ein Baustein aufgebaut ist, je mehr Ebenen übereinander liegen und je tiefer geätzt werden muss, desto mehr Anlagen braucht eine Fabrik für die gleiche Menge Wafer. Diese Verschiebung ist der eigentliche Hebel des Unternehmens. Sie wirkt unabhängig davon, ob am Ende Speicher, Logik oder Netzwerkbausteine entstehen.

Wie viel Geschäft der Aufbau von Rechenzentren für Anwendungen mit künstlicher Intelligenz auslöst, rechnet das Unternehmen inzwischen offen vor. Je 100 Milliarden Dollar, die weltweit in solche Rechenzentren fließen, entsteht nach Darstellung von Lam Research ein Bedarf an Fertigungsanlagen von rund acht Milliarden Dollar. Diese Schätzung wurde um ein bis zwei Milliarden Dollar nach oben korrigiert, weil die Hardware mehr Bauelemente enthält, kapitalintensiver zu fertigen ist und deutlich mehr Speicher benötigt. Der Zusammenhang ist damit stabiler als eine einzelne Auftragsmeldung: Solange Betreiber Rechenkapazität aufbauen, entsteht daraus mit Verzögerung ein Auftragsbestand für Anlagen.

Lam Research
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Der zweite Teil der Nachricht betrifft den Speicherbereich, und er hat direkt mit dem Engpass zu tun, der derzeit die gesamte Lieferkette beschäftigt. Für vorhandene NAND-Flash-Kapazitäten hatte Lam Research bereits vor Jahren einen Umrüstbedarf von etwa 40 Milliarden Dollar beschrieben, damit bestehende Fabriken Bausteine mit mehr als 200 Ebenen herstellen können. Nach Angaben des Unternehmens wird der überwiegende Teil dieser Ausgaben nun vor Ende des Kalenderjahres 2027 anfallen, also früher als ursprünglich unterstellt. Parallel hat Lam Research seine Einschätzung des adressierbaren Marktes je Wafer im NAND-Bereich auf das Doppelte des früheren Niveaus angehoben, nachdem zuvor der 1,8-fache Wert genannt worden war. Hintergrund ist der Weg von 200 über 300 bis in Richtung 500 Ebenen, der pro Wafer deutlich mehr Anlagenzeit erfordert.

Bemerkenswert ist die Begründung des Engpasses. Nicht fehlende Nachfrage, nicht Preisdruck und nicht Zurückhaltung der Kunden bestimmen derzeit die Planung, sondern die Frage, wie schnell Reinräume fertiggestellt und mit Anlagen bestückt werden können. Lam Research erwartet, dass bis Ende 2027 acht bis zehn neue Reinräume bei den größten Kunden in Betrieb gehen. Kunden hätten zudem bestehende Flächen effizienter genutzt, Projekte vorgezogen und fertige Reinräume früher in Produktion gebracht als geplant. Das Unternehmen selbst beschreibt seine vorrangige Sorge nicht als drohenden Abschwung, sondern als das Risiko, zusätzliche Nachfrage nicht bedienen zu können.

Für Anleger ist damit eine andere Frage zentral als in früheren Aufwärtsphasen der Halbleiterindustrie. Sie lautet nicht, ob die Budgets steigen, sondern ob Lam Research liefern kann. Das Unternehmen nennt ausdrücklich Lieferzeiten, Termintreue, Qualität und den Aufbau von Personal für neue Fabriken in mehreren Regionen als operative Schwerpunkte. Genau an diesen Punkten entscheidet sich, welcher Anteil des angehobenen Marktvolumens tatsächlich in Umsatz und Ergebnis mündet. Ein Anlagenbauer, der Termine reißt, verliert Aufträge an Wettbewerber, die dieselben Prozessschritte anbieten.

Einzuordnen ist das in eine Gewinnentwicklung, die sich in den vergangenen Jahren deutlich verschoben hat. Für das abgelaufene Geschäftsjahr weist das Unternehmen einen Umsatz von etwa 23,2 Milliarden Dollar und einen Gewinn je Aktie von 5,76 Dollar aus. Der Durchschnitt der Analystenerwartungen für das Kursziel liegt bei rund 373 Dollar. Wie belastbar die Annahmen sind, wird sich mit dem nächsten Zahlenwerk zeigen, das für Ende Oktober angekündigt ist. Dann wird sichtbar, ob sich das angehobene Marktbild bereits in Auftragseingang und Prognose niederschlägt.

Die Gegenrechnung gehört dazu. Die Halbleiterindustrie war über Jahrzehnte zyklisch, und vorgezogene Investitionen bedeuten immer, dass spätere Jahre entlastet werden. Wenn ein großer Teil der Umrüstungen bis Ende 2027 abgearbeitet ist, fehlt dieser Beitrag danach. Ebenso hängt die Rechnung zu den Rechenzentren an der Annahme, dass die Budgets für künstliche Intelligenz in dieser Größenordnung bestehen bleiben. Wer die Aktie beurteilt, sollte die angehobene Marktprognose deshalb als Datenpunkt lesen, nicht als Zusage. Entscheidend bleibt, wie viele Reinräume tatsächlich öffnen und wie schnell Lam Research sie ausstatten kann.

Zum Wochenschluss notierte die Aktie bei 288,11 US-Dollar. An deutschen Handelsplätzen wurde sie zuletzt bei rund 251 Euro gestellt.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung, Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar.

Themen dieses Beitrags

Hauptthema: Halbleiter